Gerstenkorn und Hagelkorn

Entzündungen an den Augenlidern können sehr unangenehm sein. Rechtzeitig erkannt und richtig behandelt sind sie aber meist ungefährlich. Die häufigsten Formen sind Gerstenkorn und Hagelkorn.

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Gerstenkorn oder Hagelkorn?

Beides sind Entzündungen am Augenlid, verhalten sich aber ganz unterschiedlich: Ein Gerstenkorn tut weh, wird oft über Nacht sichtbar und heilt meist in wenigen Tagen ab. Ein Hagelkorn wächst langsam heran, tut kaum weh und braucht Wochen, bis es wieder verschwindet.

Gerstenkorn (Hordeolum)

Was ist ein Gerstenkorn?

Ein Gerstenkorn (medizinisch Hordeolum) ist eine Entzündung der kleinen Drüsen am Augenlid, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Meist handelt es sich um eine Infektion mit Staphylokokken, die in jedem Alter auftreten kann.

Die entzündete Drüse füllt sich mit Eiter und schwillt an. Von außen ist ein gelblicher Punkt sichtbar, das Lid ist gerötet und ein Gerstenkorn ist meistens deutlich schmerzhaft.

Wie entsteht ein Gerstenkorn?

Es gibt unterschiedliche Ursachen für die Entstehung eines Hordeolums. In jedem Fall handelt es sich um eine bakterielle Infektion einer Hautdrüse am Lidrand.

Typische Auslöser sind:

Besonders häufig betroffen sind Menschen mit:

Was kann man gegen ein Gerstenkorn tun?

Ein Hordeolum bildet sich in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst zurück. Klingt die Entzündung nicht ab, können Augentropfen oder antibiotische Salben verordnet werden. Auch eine Behandlung mit einer Rotlichtlampe oder warmen Kompressen unterstützt die Rückbildung.

Weil bakterielle Infektionen ansteckend sind, ist auf Hygiene zu achten: eigenes Handtuch benutzen, Hände regelmäßig waschen oder desinfizieren.

Wichtig: Eine Entzündung des Augenlids sollte immer von einer Augenärztin oder einem Augenarzt abgeklärt werden. Auf gar keinen Fall darf man selbst versuchen, das Gerstenkorn auszudrücken oder aufzustechen. Das kann eine Ausbreitung der Infektion auslösen.

Wann ist eine OP bei einem Gerstenkorn nötig?

Bildet sich ein Gerstenkorn nicht innerhalb von zwei Wochen zurück, kann ein operativer Eingriff notwendig werden, vor allem wenn die Schwellung auf die Hornhaut drückt und die Sicht beeinträchtigt. Bei dem kurzen Eingriff wird das Gerstenkorn eröffnet, der Eiter kann abfließen und die Wunde heilt ab.

Hagelkorn (Chalazion)

Was ist ein Hagelkorn?

Ein Hagelkorn (medizinisch Chalazion) ist eine Zyste bzw. Schwellung am Augenlid, die durch eine verstopfte Meibom-Drüse entsteht. Meist ist zusätzlich die Bindehaut gerötet. Anders als das Gerstenkorn ist ein Hagelkorn in der Regel nicht schmerzhaft.

Wie entsteht ein Hagelkorn?

Ein Hagelkorn tritt besonders häufig zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr auf. Ursache ist eine verstopfte Lidranddrüse, die sich anschließend entzündet.

Besonders häufig betroffen sind Menschen mit:

Was kann man gegen ein Hagelkorn tun?

Meistens bildet sich ein Chalazion innerhalb von einigen Wochen von selbst zurück. Zur Unterstützung helfen feucht-warme Kompressen oder eine Wärmebehandlung mit einer Rotlichtlampe, um den Sekretstau zu lösen. Im Gegensatz zum Gerstenkorn ist ein Hagelkorn nicht ansteckend.

In manchen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung nötig, wenn die Schwellung immer größer wird, sich rötet und nicht innerhalb weniger Wochen abklingt.

Wichtig: Auch ein Hagelkorn darf niemals selbst ausgedrückt oder aufgestochen werden. Bitte immer augenärztlich abklären lassen.

Wann ist eine OP bei einem Hagelkorn nötig?

Bildet sich ein Chalazion nicht von selbst zurück, kann es operativ entfernt werden, besonders dann, wenn es an Größe zunimmt, an der Bindehaut reibt und die Sicht einschränkt. Während eines kurzen Eingriffs wird das geschwollene Gewebe entfernt.

Zahlt die Krankenkasse den Eingriff?

Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für die operative Behandlung eines Chalazions oder Hordeolums. Klären Sie den Ablauf im Zweifel vor dem Eingriff mit Ihrem Augenarzt und Ihrer Kasse.

Warum kehren Gerstenkörner immer wieder zurück?

Ein einzelnes Gerstenkorn ist meist ein harmloser Bakterienbefall und heilt folgenlos aus. Wenn Gerstenkörner jedoch immer wieder auftreten, steckt fast immer eine chronische Grunderkrankung dahinter, die häufig übersehen wird.

An den Augenlidern sitzen verschiedene kleine Drüsen, die Mucine und fetthaltige Sekrete produzieren. Diese Sekrete sind ein zentraler Bestandteil des Tränenfilms und schützen das Auge vor Austrocknung. Werden diese Drüsen durch Bakterien oder Parasiten befallen, entzünden sie sich, und es entstehen Gerstenkörner oder Hagelkörner.

Rosazea: die häufig übersehene Ursache an den Lidrändern

Die häufigste Ursache für wiederkehrende Gerstenkörner ist eine Rosazea (auch Kupferrose genannt). Dabei handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, bei der die Haut deutlich mehr feine Kapillaren an der Oberfläche ausbildet. Sichtbar wird das oft als leichte Rötung an Wangen und Nasenrücken, ein Muster, das an einen Schmetterling erinnert und sich besonders bei Wärme zeigt.

Beim Typ 4 der Rosazea sind fast ausschließlich die Lidränder betroffen, während die übrige Gesichtshaut unauffällig bleibt. Genau deshalb wird diese Form der Rosazea im Augenbereich häufig verkannt, obwohl sie eine der wichtigsten Ursachen für rezidivierende Lidrandentzündungen ist.

Die stärkere Durchblutung der Haut schafft einen idealen Nährboden für Bakterien und Parasiten und damit die perfekte Grundlage für erneute Entzündungen der Lidranddrüsen.

Demodex-Milben in der Wimpernwurzel

Ein häufiger Mitverursacher bei wiederkehrenden Gerstenkörnern sind Demodex-Milben. Diese winzigen Hautmilben besiedeln die Wimpernwurzeln und legen ihre Eier tief in den Haarfollikeln ab. Die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte begünstigen bakterielle Infektionen und damit erneut Gerstenkörner. So schließt sich der Kreislauf, den man mit reiner Symptombehandlung nicht durchbrechen kann.

Die Ursache behandeln, nicht nur das Symptom

Wenn Gerstenkörner immer wiederkommen, reicht es nicht aus, das jeweils aktuelle Gerstenkorn zu behandeln. Es sollte gezielt abgeklärt werden, ob eine Rosazea an den Lidern vorliegt. Moderne Verfahren wie die intensivierte Lichtpulstherapie (IPL) setzen an der Ursache an: Die erweiterten Kapillaren bilden sich zurück, die Rötung geht deutlich zurück, Demodex-Milben werden reduziert und der Nährboden für Bakterien verschwindet. Zusätzlich strafft die IPL-Behandlung die Haut im behandelten Bereich.

Auf diese Weise lässt sich der Kreislauf wiederkehrender Lidentzündungen nachhaltig durchbrechen und das Risiko für neue Gerstenkörner spürbar senken.

Bitte klären Sie mit Ihrem Augenarzt, welche Ursache hinter Ihren wiederkehrenden Gerstenkörnern steckt und welche Behandlung in Ihrem individuellen Fall am sinnvollsten ist.

Häufige Fragen zu Gerstenkorn und Hagelkorn

Wie kann man verhindern, dass Gerstenkörner oder Hagelkörner immer wiederkommen?

Wichtig ist eine gute Lidrand-Hygiene: Make-up gründlich entfernen, Kontaktlinsen sauber handhaben und die Lidränder regelmäßig reinigen. Bei wiederkehrenden Entzündungen sollte immer abgeklärt werden, ob eine Grunderkrankung wie Rosazea oder ein Befall mit Demodex-Milben vorliegt, sonst behandelt man nur das Symptom.

Was ist der Unterschied zwischen Gerstenkorn und Hagelkorn?

Ein Gerstenkorn ist eine akute, meist schmerzhafte Infektion durch Bakterien und heilt oft in wenigen Tagen ab. Ein Hagelkorn ist eine schmerzlose, chronische Schwellung durch eine verstopfte Lidranddrüse und braucht mehrere Wochen. Ein Gerstenkorn ist ansteckend, ein Hagelkorn nicht.

Kann man ein Gerstenkorn selbst ausdrücken?

Nein, auf gar keinen Fall. Beim Ausdrücken oder Aufstechen können sich die Bakterien im Lidgewebe ausbreiten und die Entzündung deutlich verschlimmern. Bitte immer augenärztlich abklären lassen.

Wann sollte ich mit einem Gerstenkorn oder Hagelkorn zum Augenarzt?

Bei jeder Lidentzündung ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll. Zwingend nötig ist der Arzttermin, wenn sich das Gerstenkorn nach wenigen Tagen nicht bessert, die Schwellung stark zunimmt, die Sicht beeinträchtigt wird oder Gerstenkörner immer wieder auftreten.

Hilft eine IPL-Behandlung wirklich gegen wiederkehrende Gerstenkörner?

Die intensivierte Lichtpulstherapie (IPL) setzt an der häufigen Ursache Rosazea an: Sie reduziert die erweiterten Kapillaren, verringert den Milben-Befall und damit den Nährboden für Bakterien. Ob IPL für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Augenarzt individuell nach Untersuchung der Lidränder.

Übernimmt die Krankenkasse die OP-Kosten?

Ja, sowohl gesetzliche als auch private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten einer operativen Behandlung von Chalazion und Hordeolum. IPL-Behandlungen sind hingegen meist eine Selbstzahlerleistung.